Psychotherapeutische Praxis
Dr. Gisela Pomrehn
Willy-Brandt-Allee 8 | 65197 Wiesbaden | Telefon: 0611 – 98 82 97 27
Tiefenpsychologische Psychotherapie

Die tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie nimmt eine Mittelstellung ein zwischen der Verhaltenstherapie, die bei einer eher eingegrenzten Problematik auf eine Verhaltensänderung hinarbeitet und der Psychoanalyse, die häufig bei gravierenden Persönlichkeitsstörungen die Methode der Wahl ist.

Ich hoffe, dass die nachfolgenden Hinweise Ihnen zumindest eine ansatzweise Vorstellung von den Grundzügen der Tiefenpsychologie und meiner speziellen Ausrichtung dabei vermitteln können.

Das Was

Die Tiefenpsychologie ist bestrebt, den Zusammenhang zwischen frühkindlichen Erfahrungen und aktuellen Konflikten bewusst zu machen.

Der Fokus der therapeutischen Arbeit liegt auf dem klärenden Gespräch über die in der gegenwärtigen Situation belastenden inneren und äußeren Zustände. Man beginnt jeweils mit dem Thema, das sich als augenblicklich relevant in den Vordergrund der Aufmerksamkeit schiebt. Ganz ohne Wertung kann somit jeder Aspekt als Einstiegshilfe verwendet werden für die zwei Fragestellungen der therapeutischen Erforschung:

1. „Woher komme ich?”
Hier geht der Blick in die Vergangenheit, auf das „tiefere Unbewusste” im Sinne der Psychoanalyse von Sigmund Freud. Man begibt sich auf die Suche nach den frühkindlichen Konditionierungen, um das gewissermaßen ins Alte zurück ziehende Band zu identifizieren.

2. „Wohin gehe ich?”
Hier geht der Blick in die Zukunft, auf das „höhere Unbewusste” im Sinne der Psychosynthese von Roberto Assagioli. Man begibt sich auf die Suche nach der spezifischen „Vision der Seele” für dieses Leben, um das in die Sinnhaftigkeit voran ziehende Band zu erschließen.

Damit Bewegung in die gewöhnlich als Stagnation erlebte aktuelle Problematik kommen kann, mag im Einzelfall jeweils etwas mehr Gewicht darauf liegen, das zurück haltende Band zu lockern oder aber das voraus ziehende zu stärken.

Das Wie

Eine tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie findet im Sitzen und im Miteinander eines Gespräches statt, jedoch nicht auf der Ebene des Alltagsbewusstseins.
In die Bereiche des Unbewussten kann man nicht durch die Tür des Intellekts eintreten. Der Zugang eröffnet sich in einer Atmosphäre der inneren Achtsamkeit, des Spürens, Lauschens, der Intuition. Da ja bekanntlich ein Bild mehr sagt als tausend Worte, ist der imaginative Zugang zur inneren Bilderwelt ein kreatives und fruchtbares Mittel in der Tiefenpsychologie.
Ich fokussiere in diesem Zusammenhang auch auf den Atem, da ein frei fließender Atem dieses Eintauchen in die innere Achtsamkeit erleichtert, so dass die wahre Befindlichkeit von Körper und Psyche überhaupt erkannt werden kann.
Außerdem ist der Atem der Träger unseres Gefühlsausdrucks. Es ist ein Bestreben jeder Therapieform, die Gefühle aus dem Gefängnis automatischer Glaubenssätze zu befreien und zu bereinigen, so dass sie im menschlichen Miteinander konstruktiv wirken können.
Die Offenheit mit Gefühlen in der direkten Auseinandersetzung mit dem Therapeuten ist ein weiterer Fokus der therapeutischen Arbeit.

Wissenschaftlicher Studien haben mittlerweile bewiesen, dass nicht so sehr die angewandte Methodik für den Therapieerfolg verantwortlich ist, sondern vielmehr die Qualität der therapeutischen Beziehung, im Sinne der Erkenntnis, dass Technik hilft, aber Liebe heilt.

Das Woher

Die Bewältigungsstrategien, die in der Kindheit absolut kreativ und überlebensfördernd waren, haben sich als so genannte Abwehrmechanismen in die Psyche eingegraben und können nicht einfach über Bord geworfen werden, obwohl die Anforderungen im Erwachsenenalter häufig ganz andere Haltungen und Verhaltensweisen erfordern.
So neigt der Mensch dazu, die Beziehungsmuster, die in der Auseinandersetzung mit Eltern und nahen Personen entstanden sind, auch als Erwachsener nach gleichem Strickmuster zu organisieren, was verständlicherweise die Zufriedenheit und Erfüllung in Partnerschaft und Beruf erschwert. Ehemals erfolgreiche Strategien greifen nicht mehr – neue sind nicht in Sicht oder lösen Furcht aus: in Zeiten außergewöhnlicher Belastung reagiert der Organismus auf dieses Dilemma mit bestimmten psychischen und körperlichen Symptomen.
Diese häufigen Erscheinungen wie z.B. depressive Verstimmung, Schlafstörungen, Magen-Darm-Beschwerden, Grübeln, Angstzustände, Verspanntheit, Konzentrationsschwierigkeiten, mangelndes Selbstwertgefühl, etc. – so belastend und beängstigend sie auch erlebt werden - sind letztlich auch als Hilfestellung zu verstehen. Ähnlich rot blinkender Warnleuchten mahnen diese Symptome, dass etwas Grundlegenderes im Argen liegt und durch Selbstreflektion bewusst gemacht werden möchte.
In der tiefenpsychologischen Theorie geht man davon aus, dass unverarbeitete unbewusste frühkindliche Konflikte eine angemessene Bedürfnisbefriedigung im Erwachsenenalter erschweren bis verhindern können. Der Blick in die Vergangenheit - die klärende Auseinandersetzung mit der Ursprungsfamilie und der Bewusstmachung der nicht hinterfragten Denkmuster - soll somit die Hürden vor einem befriedigenden Gegenwartserleben abtragen.

Das Wohin

„Derjenige, der ein Warum zum Leben hat, kann fast jedes Wie ertragen.”
Dieser Ausspruch von Friedrich Nietzsche trifft den Kern der menschlichen Erfahrung, dass es von der erlebten Sinnhaftigkeit und Bedeutsamkeit einer Situation abhängt, ob Leid, Schmerz oder Mühe als „schlimm” und destruktiv bewertet wird oder als notwendig und somit erträglich.
Die Indianer gingen in die Wüste, um ihre Vision zu suchen. In der Psychotherapie sucht der Mensch den Zugang zur Weisheit der inneren Stimme, die dem, der hören kann und mag, immer Weisung und Orientierung gibt. So kann man eigene Antworten auf die belastenden Fragen finden und ein Gespür für die individuelle Berufung und solche Themen entwickeln, die den Erfahrungen Sinn und Bedeutung verleihen. Diese Weisheit aus dem „höheren Unbewussten” ist eine Kraft der Zuversicht, die aus der Stagnation der augenblicklichen Problemsituation heraus führt.